8. Lauf zur Deutschen Geländewagen-Meisterschaft (DGM) am 16.10.2004 des Mercedes-G-Club
Der Boden des Moto-Cross-Strecke in Beuern ist ein Phänomen: Ist es trocken, gibt es kaum einen Unterschied zu anderen Böden, aber wenn es regnet, dann nimmt die Erde eine schmierseifenartige Konsistenz an, die an Schuhen und Reifen klebt. In den Tagen vor dem Finallauf zur deutschen Geländewagen-Meisterschaft waren einige kräftige Schauer über dem Wettbewerbsgelände niedergegangen.
Norbert Sollner und sein Team vom ausrichtenden Mercedes-G-Club waren tagelange mit Bagger und Kettensäge im Areal unterwegs, um zusätzliche Schwierigkeiten im Boden zu vergraben. Kleine Löcher, die gerade mal Reifengröße hatten, bis hin zum 30.000-Liter Schlammloch war alles dabei, um den Offrodern einen anspruchsvollen Kurs zu bieten. Der erfahrene Protofahrer Norbert hatte über Wochen hinweg immer wieder das Gelände erkundet und sich einen Schlachtplan für den Sektionsbau zurechtgelegt, der schon ab Mittwoch morgen in die Tat umgesetzt wurde. Aufgrund der schmierigen Hänge hatten schon die Streckenposten ihre liebe Mühe überhaupt zu ihren Sektionen zu gelangen. Die 88 angereisten Starter staunten nicht schlecht was Wetter, Norbert, Bagger-Andi und viele nicht genannte helfenden Hände mit dem eigentlich unspektakulären Gelände angerichtet hatten.
Bei der Fahrerbesprechung am Samstag Morgen bot Klaus Hofmockel, Leiter des Nennbüros, für all die Starter Bonuspunkte an, die tatsächlich alle Sektionen aus eigener Kraft erreichen – soweit kam es jedoch nicht, es trocknete im Laufe des Tages langsam ab. Im gleichen Rahmen wurde Holger Busch, der sich an selber Stelle im vergangenen Jahr kurz vor der Veranstaltung das Auge verletzt hatte und nicht starten konnte, ein Schutzhelm mit Gesichtsschutz überreicht, damit ihm dieses Missgeschick nicht mehr passiert. Das Auge blieb zwar heil, dafür war in der ersten Sektion schon nach dem ersten Tor Schluss. Durch einen Fahrfehler parkte er seinen „Junior“ so stabil in der Seitenlage, das die Bergefahrzeuge über eine Stunde brauchten ihn wieder in die Senkrechte zu stellen.
Auch der Fun-Cup hatte trotz seiner separaten Prüfungen ebenfalls gewaltig mit den Widrigkeiten des Terrains zu kämpfen. Die Meistertitel waren schon in Eisenberg vergeben. Gerhard Rudloff, Thomas Förster und Georg Pirthauer sicherten sich dort bereits die Plätze 1-3 und unterstützten bei der letzten Veranstaltung des Jahres den Mercedes-G-Club als Streckenposten. Alle drei wird man im nächsten Jahr in der DGM begrüßen dürfen, über die Klasses sind sie sich noch nicht so einig. Den Tagessieg holte sich das Gebrüderpaar Gärtner. Es siegt Ralf mit seinem Suzuki Samurai vor Jürgen in seinem Jeep Wrangler. Das Spitzentrio komplettierte Holger Letens ebenfalls mit einem Samurai. Der Beifahrer des Sandard-Meisters Klaus Hofmockel, Poldi Schichtl, löste einen Geburtstagsgutschein ein und verpflichtete als Beifahrer den Webmaster der VDGV-Internetseite Oli Kaspar. Poldi hatte sich in seinem ersten Jahr als Beifahrer eine ganze Menge abgeschaut und fuhr den „Gelben Baron“ auf einen guten 4. Platz. Auch Oli hat das Trialfieber gepackt – er ist bereits am ausloten der Möglichkeiten in der Saison 2005 Fun-Cup zu fahren.
Die mit Abstand weiteste Anreise hatte ein Team aus Ungarn. Der in Dornbirn beim Eurotrial auf das Siegerpodest gefahrene Mihaly Eigner und Mitveranstalter der Euro 2005, wollte im Selbstversuch erkunden, wie stark die DGM so ist. Die Klasse Original, diesmal mit 13 Startern, ist sein Betätigungsfeld und eigentlich hätten die Gegner gewarnt sein sollen, aber mit ihm gerechnet hatte keiner. Waren die deutschen Starter zu zurückhaltend in den schw(m)ierigen Gelände, lag es an der Unbekümmertheit von Mihaly und seinem Beifahrer Pal Grünwald oder sind die zwei einfach nur gut? Ein knapper Tagessieg vor Maria Schumann und Harald Liesicke bestätigte, dass sich selbst die weiteste Anreise zu einem DGM-Lauf lohnt. Gerüchteweise soll sich diese Anfahrt noch öfter lohnen – die beiden überlegen ernsthaft die komplette DGM-Saison 2005 zu fahren. Die diesjährige Meisterschaftsentscheidung fiel jedoch nur noch zwischen Arnd Neidhard auf Suzuki SJ 410 und Hans Braeuner auf Mercedes 300GE. Da Hans als Veranstalter nicht starten darf, hatte es Arnd selbst in der Hand, sich den Titel zu sichern. Sein 4. Platz reichte ihm, um Hans in der Jahreswertung mit einem Punkt hinter sich zu lassen. Scheinbar hatte sich Arnd im Vorfeld etwas verrechnet, denn selbst als er auf dem obersten Platz des Siegerpodiums stand, war er immer noch der Meinung, dass das doch alles nicht sein kann und das Nennbüro müsse mit falschen Zahlen operiert haben. Andreas „der Bagger“ Klossner holte sich in der Endabrechnung noch Rang drei und sorgte durch seinen Eurotitel dafür, dass insgesamt fünf Original-Starter zur Euro an den Plattensee fahren. Mit den punktgleichen Ute Braeuner und Maria Schumann hat die deutsche Nationalmannschaft erstmals zwei weibliche Mitglieder. Leider leer ging der ebenfalls noch punktgleiche Harald Liesicke aus. Er war von den dreien der mit den schlechtesten Streichergebnissen.
In der stark besetzten Klasse Standard war schon am vorletzten Lauf in Eisenberg die Entscheidung zu Gunsten von Klaus Hofmockel gefallen. Heinz Bertsch hatte dort seine letzte Meisterchance verloren, sicherte sich aber in Beuern gegen 26 Konkurrenten mit einem klaren Tagessieg den Vizemeistertitel. Der 2. Platz reichte Bettina Wagner auf ihrem blauen Suzuki LJ 80 nicht mehr aus, um unter die ersten vier zu fahren – ein Tagessieg wäre dafür nötig gewesen, den jedoch nicht zuletzt eine defekte Vorderachswelle verhinderte. Wieder zu alter Stärke zurückgefunden hat auch Bernd Stracke mit seinem Toyota FJ 40. Nach einer sehr durchwachsenen Saison mit Gesamtrang 9, ist der 3. Platz ein versöhnliches Ergebnis zum Saisonabschluss. Auch Ulrich Reuter mit seinem Wrangler Rubicon, einem seltenen Sondermodell von Jeep, erreichte bei seinem alljährlichen Tagesstart beim G-Club einen hervorragenden 5. Platz. Ein Team, das zu mehr Markenvielfalt in der DGM beitragen könnte. Jens Immel durfte nicht starten, sicherte sich aber mit seinem Durchschnittsergebnis den 3. Gesamtrang und fährt nach drei Jahren DGM zum ersten Mal zur Euro. Als vierter Ungarnfahrer ist mit Anton Baumann ein Urgestein wieder mit an Bord. Wesentlich jünger ist sein Sportgerät - sein Suzuki dürfte der einzige Trial-Jimny Deutschlands sein. Anton setzte sich in der Endabrechnung knapp gegen Veysi Sehat durch, der wie im letzten Jahr nur knapp scheiterte.
Die Punktzahlen lagen aufgrund der vielen Abbrüche recht hoch. Gut dabei war der, wer viele Sektionen durchfahren konnte. Die rutschigen Hänge sorgten gerade in der so genannten „Elefantenklo“-Sektion für eine Selektion der 18 Modified-Fahrer. Das dort gesteckte Richtverfahren 2 brachte viele zum Verzweifeln. Sektionseinfahrt, dann bergab – dass war ja noch zu fahren. Aber dann ohne Anlauf aus dem Stand bergauf auf schmierigem Geläuf – das war für die meisten dann doch zu viel des Guten. Die Meisterschaftsentscheidung trugen nur noch Wolfgang Fröls auf Suzuki SJ 413 und Jürgen Wagner auf Suzuki LJ 80 im direkten Duell unter sich aus. Jürgen konnte seine gewohnt gute Leistung abrufen, während Wolfgang bereits seit einer der ersten Sektionen mit einem Vorderachsdifferntialschaden zu kämpfen hatte. Doch mit hohem Einsatz, Kampfeswillen und sicherlich auch etwas Glück des Tüchtigen, gelang es ihm das „Elefantenklo“ zu meistern und die Tageswertung mit einem 4. Platz abzuschließen. Jürgen war bis zu seiner letzten Sektion auf Tagessiegkurs, aber es kam ganz anders. Durch einen Abbruch viel Jürgen auf den 3. Tagesplatz zurück – auf dem gleichen Platz landet er auch in der Jahreswertung. Durch seinen ersten Tagessieg in der Saison 2004 holt sich Dieter Rückert auf seinem Suzuki SJ 413 noch den Vizemeistertitel. Mit nur einem Punkt Vorsprung reicht es für Wolfgang Fröls zu seinen ersten Meistertitel. Den vierten und letzten Europlatz sicherte sich Michael „Mitsch“ Köhler mit einem 2. Platz in der Tageswertung, vor Bodo Scheibe und Michael Gereke, die nur durch ihre unterschiedlichen Streichergebnisse getrennt sind. In dieser Klasse gab es auch noch ein Comeback zu feiern. Peter Schneider hatte sich beim Lauf der Allrad Spezis Franken in Langenaltheim den Unterarm gebrochen und der Verlauf der Genesung erlaubte noch den Start zum Endlauf.
Die Klasse der Prototypen ist stark besetzt wie nie. Die 14 angetretenen Fahrmaschinen sind nicht nur Rekord in der abgelaufenen Saison, sondern auch das All-Time-High der DGM-Geschichte. Das Titelrennen war auch am Endlauf noch offen – das einzige was feststand, dass Norbert Sollner seinen Titel nicht verteidigen wird können. Zwei Gaststarter aus dem Rhein-Eifel-Pokal konnten zum Saisonabschluss in Hessen begrüßt werden. Herbert Klöcker und Volker Kröwel zeigten mit ihren Protos, dass auch in anderen Serien gut gefahren wird. Platz 5 und 7 für die zwei Rheinländer aus Köln. Kampfgeist bewiesen auch Fritz Bültemeier und Oskar „Ossi“ Neuffer. Fritz kämpfte sich ohne Sperren durch die Protosektionen und Ossi musste seinen Gefodd dieses Mal wirklich fliegen lassen - seine Lichtmaschine war defekt und er lief Gefahr, dass die Kapazität der Batterie nicht mehr ausreicht, um alle Sektionen zu beenden. Der Aufsteiger des Jahres, Thomas Watzke im Pumuckl, zeigt, dass der Einstiegssieg in Eisenberg keine Eintagsfliege war. Ohne Beifahrerin Ute May fuhr er auf Platz 4, legte sich dafür auch noch extra auf die Seite, um nicht noch in die Meisterschaftsentscheidung einzugreifen. Als Tabellenführer reiste Reiner Krepp nach Hessen. Er tat alles, um mit dieser Tabellenposition auch wieder abzureisen – aber es reichte nicht! Der Abstand nach hinten war groß genug, jedoch waren zwei Fahrer noch besser als er. Die Vizemeisterschaft und den 3. Tagesrang nahm er mit nach Hause. Norbert Sollner landete in der Schlusstabelle noch auf Rang 3, konnte er doch als Veranstalter nichts mehr für eine Ergebnisverbesserung tun. Den 4. Startplatz für die Euro sicherte sich Dirk Lewandowsky auf seinem „Mudzilla“ auf Grund der besseren Streichergebnisse punktgleich vor seinem Vereinkollegen Holger Busch. Norbert moderierte die Protosektionen live mit Witz und Fachwissen – eine Idee, die andere Veranstalter durchaus aufgreifen sollten. Auch hier am Start war der Vorbesitzer des Pumuckl, Bruno Huber, nun aber wieder in seinem „Teufelchen“- eine Suzuki LJ 80. Vier Punkte Vorsprung auf Krepp reichten für den 2. Platz. Einen hatten jedoch die wenigsten auf der Rechnung – mit über 270 Punkten Vorsprung holte er sich souverän den Tagessieg und gleich dazu noch die Deutsche Meisterschaft - Norbert Reiner, der Vize-Europameister Klasse Pro-Modified und der einzige der Top-Piloten ohne Allradlenkung. Umso bemerkenswerter ist der Gesamtsieg, nachdem er erst mit dem 3. Saisonlauf in Asbach nach langer Krankheit wieder in die Serie eingestiegen ist. Jeder gönnte Norbert den Titel – entsprechend war die Stimmung in der Festhalle bei Bekanntgabe des Ergebnisses.
Der Mercedes-G-Club stand ja bereits seit einigen Läufen als Mannschaftssieger fest. Die AF Heidelsheim bewiesen mit ihrem Sieg noch einmal eindrucksvoll, dass sie sich zu Recht den Vizemeistertitel erkämpft hatten. Die Kurpfälzer holten sich noch einmal den 2. Platz, kamen damit aber über Rang 4 nicht mehr hinaus. Nur drei Punkte fehlten ihnen zu den 4x4-Freunden aus Mannheim, die sich mit einer kleinen, aber feinen Truppe Rang 3 holten.
Nach einer Tagessiegerehrung, Tagessachpreisverlosung, Jahressiegerehrung und einer noch längeren Jahressachpreisverlosung kamen dann doch noch alle um Feiern. Nachdem man spät begann, musste man auch früh damit aufhören – früh am Morgen. Gerüchte erzählen, dass die letzten Feierwilligen um 4.30h aus der Halle gekehrt wurden. Der Mercedes-G-Club und der MSC Beuern hatten das Experiment „Jahressiegerehrung“ gewagt und es hat funktioniert, auch wenn die Schuhe nicht die Sauberkeit hatten, wie es sich für eine solche Veranstaltung ziemt. Umso sauberer war jedoch die Leistung des Küchenteams. Der DGM-Tross wurde das ganze Wochenende über mit schmackhaften Essen und einer reichlichen Getränkeauswahl zu günstigen Preisen verwöhnt. Aber nach der Saison ist vor der Saison. Während der Siegerehrung wurden bereits alle Termine für die DGM-Saison 2005 bekannt gegeben,
Wir freuen uns auf ein zahlreiches Wiedersehen zum Saisonauftakt 2005 in Sand am Main.