Andreas Klossner und Elke Steube in der Klasse Original Europameister!Das letzte Juli-Wochenende – es war wieder soweit. Trialfahrer aus 14 Nationen trafen sich zum Saisonhighlight 2004. Auch Deutschland war mit seiner Nationalmannschaft angereist. Durch die Einführung der neuen Klasse „ProModified“ wuchs auch das deutsche Starterfeld auf 20 Teams an. Alle Klassen waren mit je vier Teams besetzt. Herrliches Wetter bei der Anreise, große Wiese als Fahrerlager, alles schien perfekt. Doch es brauten sich dunkle Wolken über dem Camp zusammen. Der Besitzer der Wiese hatte kurzfristig die Miete verdoppelt – und der Veranstalter - nicht dumm - meinte diese Gebühren auf das komplette Fahrerfeld umlegen zu müssen. Nach heftigen Protesten sämtlicher Nationen – es ging bis zur Drohung der Abreise der teilnehmerstärksten Länder – kam der Veranstalter zu der salomonischen Entscheidung nichts zu verlangen. Auch sämtliche Teammitglieder konnten im Anschluss an die nächste Krisensitzung kostenlos in das Wettbewerbsgelände, welches für den gemeinen Zuschauer Eintritt kostete. Man konnte ja nicht sagen dass sich der Veranstalter nicht bemühte alles einvernehmlich zu regeln. Doch kaum war die Aufregung über unerwartete Kosten verflogen, kam der nächste Aufreger. Leider hatte es die Organisation versäumt den deutschen Startern mitzuteilen, dass alle Fahrzeuge nach der technischen Abnahme am Freitag Nachmittag in den Parc Fermé gehört hätten. Weder die Fahrer noch der Nationenleiter wussten etwas von dieser Regelung. Diese wurde dann über die italienische Mannschaft!! an uns herangetragen. Alle Fahrzeuge, die morgens nicht im Parc Fermé sind, sollten disqualifiziert werden. Nach einer 30-minütigen, etwas hektischen Phase, kehrte auch hier wieder Ruhe ins deutsche Lager ein.
Die Fahrerparade am Freitag Abend machte ihrem Namen alle Ehre. Alle teilnehmenden Nationen wurden angeführt von Trial-Motorrädern am Festzelt in einem Korso vorbeigeführt. Der Sprecher, den man zum einen ausgezeichnet verstehen konnte, glänzte zum anderen durch Kompetenz. Er war auch an beiden Wettbewerbstagen im Gelände unterwegs und moderierte „mobil“, was angesichts der nicht wenigen Zuschauer sicher ein gelungener Beitrag war.
Wer glaubte, dass mit Beginn des Samstag die unvorhergesehenen Unannehmlichkeiten zu Ende wären, sah sich getäuscht. Nach der verspäteten Fahrerbesprechung wurde dem deutschen Nationenleiter auf Nachfrage mitgeteilt, dass eine Rückkehr mit dem Wettbewerbsfahrzeugen zum Fahrerlager möglich wäre. Der Security-Posten am Ausgang des Geländes war aber anderer Meinung. Inzwischen gab es wieder eine neue Weisung, die genau dieses verhinderte. Dadurch war die Möglichkeit Schäden zu reparieren sehr eingeschränkt, da nun nur zwei Shuttle-Fahrzeuge zur Verfügung standen, welche Mensch und Material transportieren konnten. Der nachts einsetzende Dauerregen tat sein übriges für die Stimmung in der Nationalmannschaft.
Ach ja, gefahren wurde auch, und etwas loben sollte man nicht vergessen. Man hatte sich mit dem Parcours sehr viel Mühe gegeben. 30 Sektionen waren aufgebaut worden, von denen jeweils 27 pro Veranstaltungstag geöffnet waren. Gefahren wurde nach dem Regelement, welches schon im vergangenem Jahr in Italien Anwendung gefunden hatte. Acht Areale mit Toren die in der nummerierten Reihenfolge durchfahren werden mussten, waren für jede Klasse bis zur Bordkartenabgabe zu meistern. Zusätzlich kam für alle noch ein Richtverfahren 2 hinzu.
Sehr clever wurde das Anstellen entzerrt. Die Klassen Original und Standard teilten sich neun Sektionen. Dergleichen wurde mit Modified und Pro Modified verfahren. Die Prototypen erhielten ganz eigene Sektionen. Mit denen wollte auch nicht einer tauschen. „Organisiertes Fahrzeug zerstören“ wäre eine Möglichkeit zur Umschreibung der Sektionen gewesen. Man hatte durchaus nach den Erfahrungen aus Norwegen und Italien mit einem extremen Gelände gerechnet, doch diese Sektionsführung war teilweise einfach nur sinnlos, da nicht fahrbar - für niemanden!
Es lies sich aber keiner entmutigen, weder durch mangelnde Kommunikation des Veranstalters, noch durch den starken Regen und schon gar nicht durch die extremen Sektionen. Jeder Einzelne kämpfte mit den Widrigkeiten – mehr oder weniger erfolgreich.In der mit 38 Fahrern am stärksten besetzten Klasse Original erklomm Andreas Klossner mit seiner Beifahrerin Elke Steube den obersten Platz auf dem Siegerpodest. Mit einem hervorragenden 3. Platz am Samstag lies Andy schon aufhorchen. Mit Tagesbestwertung am Sonntag war ihm der Europameistertitel dann nicht mehr zu nehmen. Da hat sich das üben mit dem deutschen Prototypenmeister Norbert Sollner voll bezahlt gemacht. Die Deutsche Meisterin des Jahres 2003, Bettina Wagner musste schon am ersten Tag alle Hoffnungen auf vordere Platzierungen begraben. Mit einem technischem Defekt und demzufolge einem letzten Rang, war Tags darauf auch mit einem 5. Rang nicht mehr als der 36. Platz in der Gesamtwertung für sie drin. Trösten darf sie sich mit dem inoffiziellen Geschwindigkeitsrekord. Laut Aussage des Streckenposten hat niemand sonst die Sektion 6 in 46 Sekunden bewältigt. 4 Minuten hatten die Fahrer offiziell Zeit, die Sektion zu durchfahren. Auch Harald Liesecke tat sich anfänglich schwer. Er lies jedoch dem 23. einen 2. Platz folgen und sprang so noch hoch bis auf Platz 11. Dass die Euro eine ganz andere Liga als die DGM ist, stellte auch Deniz Serhat mit P27 bei seinem ersten Euro-Start fest.
Nicht minder schlecht besetzt war die Klasse Standard. Hier wollten sich 34 Trialer die Krone des besten Fahrer Europas aufsetzten. Dem Ziel am nächsten kam noch Heinz Bertsch – in diesem Jahr Mannschaftsältester. Aus einem hervorragendem Platz 3 im Zwischenklassement wurde am Sonntag nach einer Reparaturpause nur noch der 6.Platz in der Gesamtwertung. Zwei ausgeglichene Tage fuhr Klaus Hofmockel an diesem Eurotrial. Sein Ergebnis lässt sich mit der einfachen Formel „P9 + P9 = P8“ beschreiben. Bis in die Haarspitzen motiviert ging Andreas Strecker an Werk. Doch es wollte einfach so gelingen wie geplant. Platz 23 am Samstag nagte schon sehr an seiner Ehre. Voll Konzentration und Mut ging er am sonnigen Sonntag ins Rennen und zeigte allen, was möglich gewesen wäre. Mit dem besten Tagesergebnis konnte er sich doch noch bis auf die 10. Stelle hocharbeiten. Abgerundet wurde das geschlossene Mannschaftsergebnis von Horst Tinschert auf dem 12. Gesamtrang
Komplett von der Technik im Stich gelassen wurde der zweimalige Europameister Thomas Watzke. Ein Getriebeschaden direkt nach der technischen Abnahme wurde ja noch mit Humor genommen und vereinten Kräften behoben. Aber nach einem Hinterachstausch und einem Defekt der Differentialsperre blieb nur der 23. Platz von 25 Startern in der Klasse Modified. Jürgen Wagner lag nach neun Sektionen am Samstag auf dem Platz an der Sonne. Leider vergab er dann mit P11 für die Sektionen 10-18 seine Topplatzierung. Der Platz auf dem Podest war ihm aber trotzdem nicht mehr zu nehmen. Rang 3 für den ehemaligen Europameister der Klasse Serie. Michael Gereke machte es umgekehrt: Der 10. Rang am Samstag stachelte ihn zu einer Topleistung am Sonntag an. Mucki holte sich Platz 1, musste sich aber mit dem undankbaren 4. Platz zufrieden geben. Konstanz zeigte Dieter Rückert. Die Tageswertungen 6 und 7 reichten am Ende für P7.
Hart gekämpft wurde auch in der neu geschaffenen Klasse ProModified. 14 Fahrer nahmen die Herausforderung an und stellten sich den widrigen Bedingungen. Völlig durchnässt nach einer Reifenpanne wurde Norbert Reiner mit dem 3. Platz am Samstag für seinen vorbildlichen Einsatz belohnt. Noch besser lief es am Sonntag für ihn. Mit Platz 1 sicherte er sich den Vize-Europameistertitel – was abends entsprechend ausgiebig gefeiert wurde. Diese Gruppe zeigte das geschlossenste deutsche Ergebnis. Auf den Rängen 5, 6 und 8 folgten Torsten Rötzel, Michael Bausch und Harald Schumann.
Die Königsklasse der Prototypen wurde in diesem Jahr von den Skandinaviern beherrscht. Unter den Top 10 konnte man sechs Nordmänner finden. Darunter natürlich auch P1-3. Die deutsche Equipe war doch sehr auf Schadensbegrenzung aus, denn der Versuch unter die Top 10 zu fahren, hätte die teilweise bis völlige Zerstörung der Fahrzeuge zur Folge gehabt. Für diese Art von Gelände, nämlich riesige Felsblöcke zu überklettern, um in anschließend genauso große Löcher zu fallen, dafür sind die deutschen Protos nicht gebaut. Mit den Rängen 19, 20, 22 und 25 in dem 27er Feld ist mit Sicherheit kein Staat zu machen, aber bei Norbert Sollner, Fritz Bültemeier, Rainer Krepp und Holger Busch siegte der Kopf über das Herz – oder besser: der Geldbeutel über die Lust am Fahren. Da sie alle keine bezahlten Profisportler sind, war dies sicher die weisere Entscheidung.
Sehr gut platzierte sich die deutsche Mannschaft in der Nationenwertung. Hinter Italien und der Schweiz konnte der sehr respektable 3. Platz unter insgesamt 14 Ländern erreicht werden.
So ziemlich alle Teilnehmer werden vermutlich Blessuren an ihren Autos mit nach Hause nehmen. Allein in der deutschen Mannschaft ist wohl die Hälfte aller Offroader wenigstens einmal umgekippt. Vom bergen lassen wollen wir lieber nicht reden, denn da haben wahrscheinlich 100% am Haken gehangen. Was angesichts einiger unfahrbarer Sektionen aber kein Wunder war.
Der Sonntag klang selbstverständlich mit der Siegerehrung aus, und wie es klang. Ein Einmarsch der Nationen mit einem Fahnenmeer und vorneweg ein Schalmeienzug. Eine Stimmung, die so nicht geplant werden kann; eine Siegerehrung, die ein Symbol für das Zusammenwachsen Europas und der europäischen Trialfamilie war.
Der Montag war für die meisten der Abreisetag. Da jedoch der samstägliche Regen das Fahrerlager in ein Schlammlager verwandelt hatte und der Sonn-Tag kaum Abhilfe geschaffen hatte, gestaltete sich die Abreise ungewohnt schwierig. Die an den Wettbewerbstagen eingesetzten Bergefahrzeuge wurden erneut in Anspruch genommen, und so mancher Prototyp half ebenfalls mit. So z. B. Fritz Bültemeier, der mit seinem Proto noch durch die Schlammstraßen kam, und so manches Wohnmobil und LKW aus dem gröbsten herauszog. Vielen Dank, Fritz! Die allgemeinen Listen, was zur Ausrüstung einer Reise zur Euro gehört, sind redlich erweitert worden: Gummistiefel, Regenhose, Regenschirme, ein Extrakanister Waschwasser, ...
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